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Mein Brillenmoment: Vom Maulwurf zur Cat Lady

09.08.2018

Jeder Brillenträger hat eine andere Beziehung zu dem zweiten Augenpaar, das er auf seiner Nase trägt. Unsere Autorin Anastasia erzählt, wie sie zu ihrer Brille kam und inzwischen nach anfänglicher Skepsis gar nicht mehr ohne sein will.

Von nervösen Studentinnen und grauen Haaren

Wir schreiben das Jahr 2008, ich sitze aufgeregt in meiner Magisterprüfung in einem Raum des John-F.-Kennedy-Instituts in Berlin. Nach gefühlten Ewigkeiten des Schwadronierens über Einwanderungswellen in den USA und Literatur der Bürgerrechtsbewegung endlich die Erlösung: Schwups, Note da, Studium vorbei. So schnell und erleichternd kann es gehen. Nach der Benotung kommt es zum Smalltak mit den beiden Prüfern. Der eine Prof fragt: „Und Frau Hansen, wie geht es Ihnen jetzt?“ Meine Antwort war der klassische Fall von schneller geredet als nachgedacht: „Ach, wissen Sie, am Anfang meines Studiums hatte ich noch keine grauen Haare und brauchte keine Brille. Schauen Sie mich jetzt an.“ Die beiden Profs fanden es amüsant. Na, wenigstens jemand.

Eine Sonnenbrillenkarriere der glitzernden und pompösen Art

Bevor ich mit 25 jungen Jahren zu meiner ersten Brille fand, hatte ich bereits eine beachtliche Laufbahn in Sachen extravaganter Sonnenbrillen hinter mir. Man könnte es, wenn man es nett meint, auf die typischen Teenager-Stilschwankungen schieben. In der Prä-Instagram-Ära war es eben nicht so einfach zu wissen, was schick und in ist. Oder eher sein soll. Wie mein Vater damals zu einem besonders großen Chanel-Modell mit viel Bling-Bling meinte: „Du siehst irgendwie aus wie Paris Hilton.“ Öhm, danke, Papa? Celebrities schienen insgesamt – wenn auch unabsichtlich – eine Inspiration bei meiner Sonnenbrillenauswahl gewesen zu sein. Den klassischen John-Lennon-Look hatte ich genauso drauf wie futuristische Modelle à la „Das fünfte Element“. Inzwischen kann ich aber erleichtert sagen, dass sich die nicht ganz so stilsicheren Eskapaden beruhigt haben und inzwischen eher klassische Fassungen mein Gesicht zieren. Doch während ich mich bei den Sonnenmodellen modetechnisch ausgetobt hatte, waren meine ersten Schritte in Richtung Brille eher, sagen wir mal, klassisch.

Mein Brillenmoment: Vom Maulwurf zur Cat Lady

Erst knallig, dann spießig

Kurz vor der besagten Prüfung habe ich endlich den Weg zu einem Optiker gewagt. Es ging einfach nicht mehr anders. Ich saß in vielen Vorlesungen und kniff ständig die Augen zusammen, in der Hoffnung, endlich mal zu erkennen, was denn da auf der Wand steht. Also ging es zum Augenarzt und dann mit meinen Werten zum Optiker. Es wurde ein klassisch eckiges Modell – in einem knalligen Rot. Ein bisschen Mut muss sein. Und hier, genau vor zehn Jahren also, passierte es. Mein erster wahrer Brillenmoment. Kaum hatte ich den neuen Schatz auf, war der Aha-Effekt überwältigend. Was ich plötzlich alles deutlich sehen und lesen konnte! Selbst wenn ich in der Uni in der letzten Reihe saß. Es war im wahrsten Sinne des Wortes „eye-opening“.

Von da an hatte ich brav in jedem Seminar und beim Autofahren meine Brille auf. Nur komischerweise nicht jenseits dieser zwei Situationen. Es war schon Standard, dass ich beispielsweise ohne Brille in den Urlaub fuhr. Und mein Bruder mich mehr als einmal aufzog, wenn ich die Augen zusammenkniff, um Anzeigen auf diversen europäischen Bahnhöfen zu entziffern. „Na, spielste wieder Maulwurf?“ Was fehlte also, damit mein Brillenmoment wirklich magisch und sie zu einem liebgewonnenen Accessoire wird?

Mein Brillenmoment: Vom Maulwurf zur Cat Lady

Dank Cat Content zur Lieblingsbrille

Die Antwort war am Ende so banal wie einfach. Es waren die falschen Brillen. Denn schließlich will man ja nicht nur gut sehen, sondern auch aussehen. Und auf dem Weg dahin gab es einige Umleitungen. Nachdem ich mit meiner markanten ersten Brille irgendwann sprich- und wortwörtlich rotsah, folgte als Nummer zwei eine eckige Metallfassung. Und die war, es tut mir leid, einfach nur wahnsinnig spießig und spaßbefreit. Ganz so gar nicht ich. Kein Wunder, dass ich sie ungern im Alltag trug. Erst bei der nächsten Brille war es Liebe auf den ersten Blick – aller guten Dinge sind eben wirklich manchmal drei. Schwarz, immer noch eher schmal, aber dafür in Cat-Eye-Form.  Dass ich darauf nicht früher gekommen bin! Schließlich stand ich auf Cat Content, bevor es cool und Mainstream wurde. Man denke da nur an mein Kindergarten-Ich, dass jeder Katze, die ich erblickte, fröhlich quietschend hinterherlief. Zugegebenermaßen hat sich daran als Erwachsene nicht wirklich viel geändert.

Der Cat Lady in mir bin ich auch bei Brillen treu geblieben. Manchmal schmuggelt sich sogar ein eher rundes Model darunter. So kann ich inzwischen 6 Brillen und eine verglaste Sonnenbrille mein Eigen nennen. Ich will und kann gar nicht mehr ohne. Rot, havana, braun, grau, transparent, silber – alles dabei. Es soll ja schließlich zum Outfit passen. Das ist ein bisschen wie Schuhe bei anderen Frauen, nur nicht ganz so extrem. Noch nicht. Inzwischen fragen mich nicht nur Freunde, sondern auch die Familie: „Hast du wieder eine neue Brille? Steht dir!“. Endlich keine spitzen Kommentare mehr. Geht doch!

Wie unsere Autorin Cristin ihren ersten Brillenmoment wahrgenommen hat, erfahrt ihr hier.

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