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Marga Faulstich: Die Erfinderin der Sonnenbrille

06.07.2018

1935 sieht der deutsche Reichskanzler die Welt von Männern dominiert, Frauen bleiben Zuhause und erfüllen ihre Rolle als Mutter. Marga Faulstich ist anders. Sie steigt mit ihrer Ausbildung direkt in das Berufsleben ein. Sie ist durchsetzungsstark und hilfsbereit. „Kugelblitz“ werden ihre Kollegen sie später nennen.  

Marga Faulstich kommt am 16. Juni 1915 in Weimar als eines von drei Kindern zur Welt. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr verbringt sie ihre Kindheit in Weimar. Dann zieht ihre Familie nach Jena, eine der beliebtesten deutschen Universitätsstädten. Dort besteht sie erfolgreich ihr Abitur, entschließt sich aber vor allem aus finanziellen Gründen gegen ein Studium. Marga fängt eine Ausbildung als wissenschaftliche Hilfskraft bei dem Glaswerk SCHOTT an, welches sich auf die Herstellung von Glas und Glaskeramik spezialisiert. Marga setzt sich, trotz hoher Arbeitslosigkeit in Deutschland, gegen zehn andere Bewerber durch. 

 

Marga Faulstich entwickelte die Glasbeschichtungen für den UV-Schutz der Sonnenbrille 

In ihren ersten Jahren entwickelt sie sogenannte „dünne Schichten“ auf dem Sektor des optischen Glases. Diese Schichten werden später für Entspiegelungen und Sonnenschutz sorgen. Innerhalb weniger Jahre steigt sie von der Laborantin, zur Assistentin und schließlich zur Wissenschaftlerin auf und wird durch ihr großes Engagement als spezialisierte Glaschemikerin Teil des Managements der Jenaer Glaswerken SCHOTT. Dadurch wird Marga als Glaschemikerin die erste weibliche Führungskraft in der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Das Traditionsunternehmen existiert auch noch heute und beschäftigt über 15.000 Mitarbeiter.  

 

Marga Faulstich macht Karriere mitten in der Kriegszeit 

Die begabte junge Frau legt in Windeseile eine steile Karriere hin, die sie nach dem Tod ihres Verlobten noch intensiver verstärkt. Sie beginnt neben ihrem Job bei den Glaswerken ein Chemie Studium. Dies muss sie allerdings aufgrund der Auswirkungen des zweiten Weltkrieges abbrechen, denn Jena gehört zur sowjetischen Besatzungszone. Als das US – Militär den Rückzug antritt, nehmen sie mehr als 41 Spezialisten und Führungskräfte mit nach Westdeutschland, darunter auch Marga Faulstich. Nach mehreren Zwischenstopps endet die Reise für die Mitarbeiter des Glaswerkes in Mainz.

Parallel wird in der kleinen bayrischen Stadt Landshut, welche sich entlang der Isar zieht, extra für die Mitarbeiter der SCHOTT AG ein neues Forschungslabor gebaut, damit sie schnellstmöglich ihre Arbeit fortsetzen können. Nach der Teilung Deutschlands wird das Werk in Jena geschlossen, daraufhin eröffnet Erich Schott im Jahr 1952 ein neues Werk in Mainz. Im neuen Hauptwerk vom Glaswerk SCHOTT widmet Marga sich wieder ihrer Leidenschaft: sie forscht und entwickelt neue optische Gläser, insbesondere für Objektive an Mikroskopen und Ferngläsern. Durch ihre fleißige Arbeit bekommt sie die Chance, eine Tiegelschmelze zu leiten, das auch mit Erfolg.  

 

Ihre Erfindung des Leichtgewichts Brillenglases bekommt eine internationale Anerkennung und wird 1973 mit der IR-100 Medaille der Industrial Research Incorporation in Chicago als eine der hundert wichtigsten technischen Innovationen des Jahres ausgezeichnet. Nach 44 erfolgreichen Berufsjahren bei der SCHOTT AG geht Marga Faulstich in den Ruhestand. Die folgenden Jahre ihres besonderen Lebens verbringt sie damit, die fernen Länder zu bereisen, um weitere wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ganz von ihrer beruflichen Leidenschaft kann sie sich nicht trennen, sie ist ein gern gesehener Gast für Vorträge und Referate auf Glas-Kongressen.  

Marga Faulstich stirbt am 1. Februar 1998 im Alter von 82 Jahren. Sie hat die Arbeitswelt der heutigen Frauen im wissenschaftlichen Bereich sehr geprägt und nachhaltig verändert. 

 

In der Männerdomäne kann sich die eigenständige Frau durchsetzen und die Entwicklung der Brillengläser enorm vorantreiben. Während ihrer Karriere hat sie über 300 Typen optischer Gläser entwickelt. Marga Faulstich verdanken wir vor allem die getönten Sonnenbrillen und die dünnen leichten Brillengläser. 

In der Mitarbeiterzeitung Schott intern, heißt es: „Dies war keine Quotenfrau, sondern eine wirklich ganz Große“ 

 

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