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Eco-Style: Brillen aus Holz, Horn und Altpapier

02.08.2010

FRAME-Redakteurin Tanja mit Herrlicht-Holzbrillen-Prototyp

2.000 Jahre lang wurde Mode nur von außen beurteilt. Im 21. Jahrhundert zählen auch ihre inneren Werte: Der neue Trend heißt „Eco-Style“. Die Anfänge und Entwicklung dieser Bewegung und ihre aktuelle Umsetzung in der Brillenmode – all das ab jetzt im neuen FRAME-Schwerpunktthema des Monats August. Viel Spaß beim Lesen und beim Anschauen der coolen Brillen mit grünem Faktor!

Wenn man einen Artikel über Eco-Style schreibt, stimmt man sich am besten in der passenden Umgebung ein – nämlich im Grünen. Mein Outdoor-Office besteht aus einer Holzbank am Rummelsburger Ufer in Berlin. Hergefahren bin ich selbstverständlich mit dem Rad. Vor mir ein Schwan, der sich genüsslich der Gefiederpflege hingibt. Nicht weit davon entfernt zieht eine kleine Entenfamilie vorbei. Der Nachwuchs piept aufgeregt vor sich hin. Schön! Grüner kann man es kaum haben.

Es grünt so grün im Outdoor-Office

Noch vor einer Stunde allerdings war ich Shoppen. Am liebsten natürlich Klamotten. Davon kann man schließlich nie genug haben. Aber wie passt das eigentlich zusammen, Naturmädchen auf der einen Seite, Shopaholic auf der anderen? Die Zauberformel lautet Eco-Style und befriedigt das soziale und ökologische Gewissen.

Pessimisten sehen schwarz, Optimisten sehen grün

Denn immer öfter meldet sich dieses Gewissen zu Wort, wenn wir uns unfreiwillig den negativen Seiten der Globalisierung und unserer modernen Industrie ausgeliefert sehen. Themen wie die Weltwirtschaftskrise oder die Klimaerwärmung lassen die Zukunft düster erscheinen. Das mag einer der Gründe sein, weshalb wir uns immer wieder gern auf frühere Zeiten und Werte besinnen und mit Dingen aus der Vergangenheit umgeben, wie es beim Phänomen „Vintage“ zu beobachten ist.

Aber auch die Gegenwart blüht wieder auf, und zwar nachhaltig. Wohin das Auge blickt, sieht es grün. Und das ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. „Bio“ und „Öko“ sind auf dem Vormarsch. Das fängt bei Bio-Bananen an und hört bei Öko-Strom auf. Dazwischen findet man eine ganze Bandbreite an Objekten und Sachverhalten, mittels derer die Zukunft eine neue Richtung bekommen soll. Und so langsam stellt sich auch die Modewelt auf diesen Trend ein.

Erfurter Handwerksidylle: Werkstatt vom Holzbrillen-Pionier Andreas Licht

Mode und Öko? Dass diese beiden Welten einmal glücklich zusammentreffen würden, daran wäre vor einigen Jahren nicht zu denken gewesen: Unförmige Strickpullover und Birkenstock-Schlappen, grobe Jutetaschen und Make-up-befreite Gesichter – alles andere als stylish. Die Umweltaktivisten, im Volksmund auch „Ökos“ genannt, pflegten einen charakteristischen „alternativen“ Lebensstil, der sich vor allem vom Konsum abkehrte. So etwas fand die Mode wenig anziehend, und die Beauty-Branche konnte sich hier einen Durchbruch im wahrsten Sinne des Wortes abschminken.

Heute sieht das ganz anders aus. Die aktuelle grüne Bewegung zeigt sich weitaus liberaler im Umgang mit Konsumgütern und wird gern unter dem Begriff LOHAS zusammengefasst. Das Akronym steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“, eine Lebensweise, die sich nicht kategorisch gegen Konsum sträubt, sondern eine sinnvolle Balance zwischen Shopping und Weltverbesserung sucht. Outdoor-Urlaub statt Pauschalreise. Bio-Lebensmittel statt gewöhnliche Supermarktware. Selbstgekochtes statt Fertigessen. Shirt von der Stange und dazu politisch korrekte Hose vom Eco-Designer. Bei den LOHAS-Anhängern geht sowohl als auch. Angeführt wird diese neue Sinngemeinschaft von „grünen“ Hollywood-Stars wie Brad Pitt, George Clooney, Leonardo DiCaprio, Cameron Diaz und Julia Roberts. Sie haben Solarhäuser, Hybrid-Autos und kaufen im Bio-Supermarkt oder in Öko-Boutiquen ein.

Holzbrillen-Rohlinge

Dass der Eco-Style nun auch den Modemarkt erobert, sieht man vor allem am wachsenden Interesse der grünen Messen und Showrooms während der Fashion Week. In Berlin hat sich zum Beispiel thekey.to inzwischen einen Namen gemacht. Das internationale Event fungiert nicht nur als Messe für grüne Mode, sondern auch als Plattform für Kreative aller Branchen, die sich gemeinsam für einen nachhaltigen Lebensstil stark machen. Diese jungen Designer erleben jetzt die Auswirkungen von mehr als 100 Jahren Industrialisierungsgeschichte und fühlen die Macht, mit ihren Aktivitäten etwas ändern zu können. Meist arbeiten sie in kleinen Ateliers in überschaubaren Teams, sind gut vernetzt und unterstützen sich gegenseitig dabei, den grünen Spirit am Leben zu halten. Ihre Mission: Eco-Fashion und Sustainable Lifestyle zum neuen Mainstream machen, so dass es in ein paar Jahren völlig normal ist, „Öko“ zu shoppen.

Lokale Produktion und Handarbeit - der grüne Faktor zählt auch bei ROLF Spectacles

Noch besetzen die Eco-Designer damit eine Nische, aber eine grüne und soziale Gesellschaft könnte die Antwort auf aktuelle Wirtschaftskrisen sein. So zumindest beschreibt es Frans Prins, Gründer von thekey.to im aktuellen Ausstellungskatalog: „Ich denke, wir brauchen ein neues Gesellschaftsmodell, in dem Wirtschaft mehr Zusammenarbeit und soziales Unternehmertum bedeutet und der Druck auf die Leute und unseren Planeten weniger fordernd ist.“

Green goes for Gold

Grün ist also auf der Suche nach dem goldenen Mittelweg und erobert dabei langsam die Modebranche. „Wir haben eine neue Generation von Designern, die die Welt verändern kann“, sagt Gereon Pilz van der Grinten, ebenfalls Gründer von thekey.to. Seiner Meinung nach haben Modedesigner die große Chance, der Öko-Bewegung den richtigen Schwung zu verleihen, weil Mode einen sehr starken Einfluss auf gesellschaftliche Trends hat. Sie ist eben nicht nur ein Spiegel der Befindlichkeiten, sondern umgekehrt vielfach auch ein Diktat.

Das Wort „Öko“ ist dabei inzwischen ein ziemlich breit gefasster Begriff und bezieht sich sowohl auf lokale Produktion als auch auf ausländische Produktion mit entsprechend fairen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Produziert wird mit umweltfreundlichen Energien oder geringem Energieverbrauch sowie organischen oder recycelten Rohstoffen. Neben Bio-Baumwolle arbeiten Eco-Designer vor allem mit Textilien aus Jute, Bambus, Hanf oder Kokosfasern.

Zuerihorn_Büffelhorn

Büffelhorn wird zu Zuerihorn-Brillen

Holz, Horn und Altpapier sind aber auch ganz hervorragende Rohstoffe für’s Eco-Styling, vor allem im Brillendesign. Davon konnte ich mich persönlich überzeugen. Besonders eindrucksvoll war nämlich mein Besuch beim Holzbrillenhersteller Herrlicht, der es sich in einem Erfurter Hinterhof in einer kleinen Werkstatt gemütlich gemacht hat und in liebevoller Handarbeit Holzbrille für Holzbrille zusammensetzt. Das Holz ist Öko, der Strom selbstverständlich auch. Und jede Herrlicht-Brille ist ein echtes Unikat und Eco-Style pur.

Schicke Brillen aus Holz gibt’s aber auch von ROLF Spectacles aus Österreich. Die vier kreativen Köpfe aus Tirol sind zwar nicht mit der Prämisse ans Werk gegangen, „Öko“-Brillen zu gestalten. Vielmehr wollten sie echte Designer-Stücke herstellen, nur eben aus Holz und vor allem handgearbeitet und lokal gefertigt. Was am Ende dann aber doch das Prädikat „Eco“ verdient.

Für ganz andere, aber durchaus traditionelle Werkstoffe hat sich dagegen das Brillenlabel Zuerihorn aus der Schweiz entschieden: Büffelhorn und Seide werden hier zu stylishen Brillen verarbeitet, die durchaus zur grünen Liga zählen.

Druckreste werden zu witzigen Pappbrillen: www.pappbrille.de

Im Laufe der nächsten Wochen werden wir noch weitere Brillen im Eco-Style für Euch ausfindig machen: Egal ob aus Holz, Horn oder Altpapier, Hauptsache irgendwie grün. Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

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